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Die Luft ist raus


Meine Erschöpfung wird nicht weniger, obwohl der starke Corona-Infekt und die erfolgreiche Operation meiner Trigeminus-Neuralgie Monate her sind. Der warme Sommer hat meine Erholung bestimmt nicht gefördert. Viele Menschen empfanden die heissen Temperaten als anstrengend, trotzdem bin ich ratlos. Meine Blut-, Mineral- und Vitaminwerte sind im normalen Bereich.

Seit der Stammzelltransplantation hatte ich keine MS-Fatigue (andauernde Müdigkeit) mehr. Es gibt allerdings Auslöser für eine sekundäre Fatigue, die nicht direkt mit einer aktiven MS im Zusammenhang steht. Dazu gehören Blasenfunktionsstörungen/-entzündungen und schlechter Schlaf wegen Schmerzen oder dem Restless-Leg-Syndrom. Weiter entsteht die Abgeschlagenheit dadurch, dass körperliche Tätigkeiten umso anstrengender werden, je schwächer die Muskeln sind. Das sind Begleiterscheinungen, die ich nur allzu gut kenne. Es ist eine mögliche Begründung für meine Energielosigkeit. Meine Ärzte sind sich jedoch uneinig.

Meine Neurologin geht nicht von einer schleichenden Verschlechterung meiner Krankheit aus, da ich frei von entzündlichen Aktivitäten (Schüben) bin. Ob dieser Fakt, eine sekundäre Fatigue eher ausschliesst, weiss ich nicht. Meine Naturheilärztin beschreibt meinen Zustand als chronische Fatigue, welche das Ergebnis der vielen Komplikationen der letzten Jahre ist. Die Fähigkeit des Körpers sich zu regenerieren ist ausgeschöpft. Meine Psychologin nennt es MS related fatigue. Also eine nachträgliche entstandene Erschöpfung auf Grund der Chemotherapie etc. Bei Krebspatienten kommt dieses Phänomen ebenfalls vor. Long Covid könnte auch eine These sein. Patienten leiden nach Corona teilweise Monate unter Erschöpfungszuständen.

Was soll ich nur dagegen tun? In der Schulmedizin habe ich keine vielversprechende Behandlungsform gefunden, darum habe mich für eine Ayurveda-Kur entschieden. Bereits im 2020 hatte ich von einem 14-tägigen Aufenthalt im Maharishi Ayurveda Gesundheits-zentrum in Seelisberg sehr profitiert. Da meine Gehfähigkeit heute um einiges schlechter ist, werde ich dieses Mal in der rollstuhlgängigen Ayurveda Klinik in Bad Ems in der Nähe von Frankfurt einchecken. Hier vereint sich das Wissen aus westlicher und indischer Medizin. Ich werde eine 21-Tage-Panchakarma-Kur für eine grundlegende Entgiftung und langanhaltende Aktivierung der Selbstheilungskräfte absolvieren. Die Behandlungen stimmt der Ayurveda-Arzt in der ausführlichen Erstuntersuchung individuell auf meinen Gesundheitszustand ab. Die verschiedenen Öl-Massagen und die ayurvedische Ernährung sind ein zentraler Bestandteil. Diese systematische Reinigung in vielen aufeinanderfolgenden Schritten ist für die Therapie von chronischen Gesundheitsstörungen und tiefen Erschöpfungszuständen besonders empfehlenswert. Ergänzt wird das Programm mit leichtem Yoga in Gruppen und Abendvorträgen.

Ich blicke den bevorstehenden Wochen positiv entgehen. Ich freue mich auf den Tapetenwechsel, auf neue Behandlungsmethoden und Sichtweisen, gutes Essen und auf ein paar nette Kurgäste. 😉 Ich erhoffe mir, danach endlich genügend Energie zu haben, um regelmässig mehrere Tage am Stück selbständig wohnen zu können und einfach mal eine gute Zeit zu haben.

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